Mein Hund stirbt. Eigentlich keine Nachricht, nicht mal für mich. Hunde sterben, so ist das. Sie sterben schneller als Menschen und das ist nicht zu ändern. Trotzdem ist mir zum Heulen. Weil ich mit Dunja das erste Mal einen wirklich treuen Freund für immer verlieren werde. Weil ich weiß, dass sie nicht sterben will, ein Tier will nie sterben. Und weil ich es doch tun muss: sie einschläfern.
Dunja hat Leberkrebs. Zumindest ist das die beste Erklärung für ihre Blutwerte. Sie kann die Nächte nicht mehr durchschlafen, weil sie ständig raus muss. Meine Eltern treibt sie damit in den Wahnsinn. Aber sonst ist sie fröhlich und freundlich wie immer. Nur eben noch ein bisschen älter und schusseliger und müder als sonst.
Dunja ist steinalt. Viel älter als Boxer normalerweise werden. Und das mit einem Herzfehler und einem Skelett, mit dem es ihr eigentlich nicht mehr möglich sein sollte, sich zu bewegen. Wenn sie lange gelegen hat, tut sie sich schwer mit dem Aufstehen und wenn sie schläft, dann schläft sie so tief, dass sie nicht mal die Anlieferung der neuen Sofas mitbekommen hat. Das Alter macht sich immer schneller bei ihr bermerkbar. Jedes Mal, wenn ich nach Hause komme, ist es schlimmer. Selbst wenn sie keinen Krebs bekommen hätte: viel älter wäre sie wohl nicht geworden.
Trotzdem tut es weh. Es kommt mir wie Verrat vor, meinen Hund in den Armen zu halten und zu warten, dass die Spritze wirkt. Dunja wird mir vertrauen und ich werde den Tierarzt für die Spritze bezahlen. Ich wünschte, sie hätte einen schöneren Tod: einfach morgens nicht mehr aufwachen. Und ich weiß,das wird nicht mehr passieren. Selbst wenn ich wollte, ich könnte es ihr nicht erklären. Das ist das Schlimmste.