Die Menschen sind schlecht.

By giebelbaerchen

Eine Diskussion heute zwingt mich zu Überlegungen über mein Menschenbild. Wie sehe ich den Menschen, was macht ihn aus? Eine Frage, so unaufregend und alt wie die Feststellung, dass die Menschen zwar verschieden, aber in ihrer Funktionsweise doch gleich zu sein scheinen. Mir aber geht es nicht um das naturwissenschaftlich weitgehend durchdrungene, körperliche Funktionieren des Menschen – so einfach wollte ich es mir nicht machen – sondern um das soziale Funktionieren, um die Frage „Ist der Mensch gut oder schlecht?“

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der Mensch schlecht ist, wobei man „schlecht“ auch gerne mit „fehler-“ oder „mangelhaft“ ersetzen mag. Allerdings hätte das den Nachteil, kein Urteil, sondern lediglich eine recht banale Feststellung zu sein. Es geht mir aber eben um die Feststellung, dass der Mensch nicht nur Fehler hat, sondern dass einige dieser Fehler moralisch verwerflich sind.  Insofern fälle ich ein moralisches Urteil über die Menschen: sie sind ganz einfach schlecht. Ich weiss sie mir nicht anders zu erklären, ihre Primitivität, ihre Fähigkeit, sich gegenseitig umzubringen, sich zu hassen, zu hintergehen, aber auch Neid zu empfinden und Eifersucht, Wut und Überlegenheit. All dies sind Dinge, die schlecht, verwerflich und vielleicht sogar böse sind. Wie soll ich da nicht urteilen über sie?

Wenn aber die Menschen alle schlecht sind, wenn das Schlecht- sein sie alle vereint, wenn alle Menschen – ich selbst muss mich hier zu meinem Entsetzen einschließen – vor allen anderen Dingen ihre Schlechtigkeit teilen, dann erübrigt sich das Urteil. Wenn der Richter sich des gleichen Vergehens schuldig macht, wie der Angeklagte, mit welcher Berechtigung fällt er dann ein Urteil? – Mit dem Recht, das ihm sein Amt verleiht und auf Basis der Gesetze, die sich die Gesellschaft, die ihn eingesetzt hat, selbst gegeben hat. Ich urteile vom Richterstuhl einer Ethik aus, die nicht ich allein, sondern ich und all die anderen die schlechten, fehlerhaften und verwerflichen Menschen sich selbst gegeben haben. EIngesetzt hat mich keiner, aber ich glaube, dass mich hierzu mein Status als Mensch hinreichend befähigt und angesichts der Tatsache, dass unser Glashaus ohnehin schon so zerschmissen ist, macht ein Stein mehr oder weniger auch keinen Unterschied mehr.

Man möchte manchmal meinen, dies sei nur die Krönung der menschlichen Grausamkeit, die wir in der Lage sind, uns gegenseitig anzutun: Nicht nur sind wir schlecht, sondern wir geben uns auch noch die Instrumente, dies zu erkennen und schämen uns nachher (zumindest manche) für diese Erkenntnis.

Es ist natürlich wahr, dass auch wenn die Menschen in ihrer Gesamtheit schlecht sind, es doch einzelne Menschen gibt, die aufrichtig versuchen, sich an die Regeln einer allgemeinen Ethik zu halten. Und ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass selbst die schlechtesten Menschen manchmal, oder in bestimmten Kontexten, gute Menschen sind.  Aber irgendwie reicht das eben nie. Irgendwie läuft es fast immer darauf hinaus, dass es ein paar „Gute“ gibt, die sich einer Überzahl von „Bösen“ gegenüber sehen.

Manch einer würde mir an dieser Stelle widersprechen und sagen, dass die Guten meist die Machtlosen sind, also in der Mehrzahl, die sich gegen eine kleine, aber mächtige Gruppe wehren müssen, dass das Böse in dieser Welt von den Mächtigen kommt.  Aber ich bin gegen diese Sozialromantik, die jeden Armen automatisch zu einem guten Menschen und jeden Reichen zu einem bösen Unterdrücker macht. Denn leider habe ich bei vielen Armen das Gefühl, dass sie, wenn sie nur könnten, sich genauso verhalten würden, wie die unmoralischen Mächtigen. Wenn sie könnten, würden auch sie Steuern hinterziehen, Anleger betrügen, Kriege vom Zaun brechen, die Umwelt verschmutzen, Löhne einbehalten und was sonst noch so im Werkzeugkasten der skrupellosen Mächtigen an Instrumenten zur Auswahl steht, nutzen. Und das auch nur um eine eigene Yacht, ein Haus, oder auch nur einen größeren Fernseher zu besitzen.

Ich will damit natürlich nicht sagen, dass die Mächtigen und Reichen dieser Welt keine schlechten Menschen sind, ganz im Gegenteil sie sind meist ausgemachte Schweinehunde, leider gilt das aber eben für die Mehrheit aller Menschen. Bei dem, was teilweise an Nachbarschaftskriegen allein in deutschen Vorstädten abgeht, bin ich ganz froh, dass die meisten Menschen sich keine Schlägerbanden leisten können.

Nein, gute Menschen gibt es nur sehr sehr wenige und selbst die sind nicht frei von gelegentlicher Charakterschwäche. Das reicht leider nicht aus, um die Menschen so ganz im Allgemeinen aus den moralischen Miesen zu holen. Sie bleiben schlecht.


3 Antworten zu „Die Menschen sind schlecht.“

  1. Peter, der Wolf sagt:

    Schön, mal wieder etwas zu lesen auf diesem Blog!
    Ich persönlich halte ein negatives Menschenbild für gefährlich. Und zwar genau aus dem Grund, der oben angeführt ist: Wenn Die Menschen sowieso alle schlecht sind, entfällt logisch der normative Begriff des Schlechten und alle Handlungen werden dementsprechend moralisch gleichwertig.
    Allerdings bin ich durchaus der Meinung, das der Mensch ständig im Konflikt mit seinen schlechten Angewohnheiten (in jederlei Hinsicht) steht. Manche sind dabei erfolgreicher als andere.

  2. das giebelbärchen sagt:

    Aber genau darauf läuft es eben doch auch für mich hinaus: Ich bin ja eben entschieden dafür, den Menschen zu verurteilen. Ich will auf keinen Fall eine Generalentschuldigung der Art “ Das ist halt so“ ausstellen. Ich komme nur eben zu dem Schluss, dass die Menschen eigentlich immer zu verurteilen sind – nicht, dass das in Ordnung ist.

  3. Lina sagt:

    „Die Menschen sind schlecht“ – ein sehr deprimierendes, trübsinniges Resümee und wenn dieser Satz generell zuträfe, hätte unsere Welt keine Berechtigung mehr zur Existenz. Ich glaube daran, dass in jedem Menschen sowohl ein schlechter als aber auch ein guter Kern vorhanden ist. Bei manchen Menschen überwiegt sicherlich das Schlechte aber bei manchen Menschen eben auch das Gute. Wie kämen sonst Liebe, Freundschaft, gegenseitige Hilfe usw. zustande?

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