Japan- Oertchen

By giebelbaerchen

Meine Leser moegen es mir verzeihen, dass ich diesen Artikel einem so unspektakulaeren und von manchen vielleicht auch als unappetitlich empfunden Thema, wie der Toilette widme, aber da man beim Besuch in einem fremden Land auch um den Besuch derselben nicht herumkommt und sie sich in Japan doch erheblich von den in Deutschland ueblichen Exemplaren unterscheidet, scheint es mir nicht unpassend, der japanischen Toilette einen Artikel zu widmen.

Sind die Vereinigten Staaten von Amerika das Land der unbegrenzten Moeglichkeiten, so ist Japan das Land der fast unbegrenzten Loesungen. Das schlaegt sich auch in der Gestaltung des stillen Oertchens nieder, das in vielen Faellen allerdings als solches nicht bezeichnet werden sollte. So findet man in Japan gelegentlich das luxurioese Modell, welches zu bestaunen ich in einem Kaufhaus in Naehe des Kyotoer Bahnhofes die Ehre hatte. Auf die ganz normale Toilettenschuessel war ein Sitz (mit dem fuer die Benutzung desselben noetigen Loch) montiert und an eine Steckdose angeschlossen. Auf diesem recht volumonoesen Thron sitzend konnte der Benutzer durch eine in der Armlehne eingebaute Tastatur fuer maximale Gemuetlichkeit waehrend seiner Aufenthaltes sorgen. So war der Sitz beispielsweise heizbar, fuer gehemmte Gemueter liess sich Musik oder das Plaetschern von Wasser abspielen (mit selbstverstaendlich verstellbarer Lautstaerke), wer gar nicht konnte konnte seine Umwelt durch das abschliessende Abspielen des Geraeusches einer Wasserspuelung ueber die Natur seiner Sitzung in der schwarz gestrichenen Kabine taeuschen und wer gekonnt hatte, konnte durch das Verstaeuben eines Gegenduftes dies ebenfalls in Abrede stellen. 

Dies war zugegeben ein ueberraschend vollstaendig ausgestattetes Modell, man kann das ganze auch wesentlich spartanischer, naemlich nur beheizbar haben. Oder man trifft auf das aeusserst umweltfreundliche Modell aus unserer Herberge, in welchem ueber dem Spuelkasten ein Waschbecken installiert ist, dessen Abfluss in den Spuelkasten laeuft. Wenn man die Spuelung zieht, laueft aus dem Wasserhahn ueber dem Waschbecken das Wasser in den Spuelkasten nach und man kann sich mit eben diesem Wasser ausserdem noch die Haende waschen. Wobei die Japaner aus einem mir unerfindlichen Grund in kaum einer Toilette Seife zur Verfuegung stellen. 

Allerdings sind all dies die aus dem Westen uebernommenen Modelle, wirklich japanische Toiletten, wie man sie beispielsweise in Tempeln oft antrifft, waren fuer mich zunaechst eine etwas unangeheme Ueberraschung: Sie sind genau genommen ein Loch im Fussboden. Nichts da mit beheizbar und Musik dabei, einfach nur ein Loch oder eine einbetonierte Kloschuessel. A troestete mich: „Diese Toiletten sind wesentlich gesuender, bei regelmaessiger Benutzung sinkt das Risiko, einer Blinddarmentzuendung, einer Darmkrebserkrankung und einer Erkrankung an Morbus Kron.“ Dennoch frage ich mich manchmal, ob dieses Risiko nicht die stille Vertrautheit eines Oertchens wert ist? 

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