Japan I

By giebelbaerchen

Das Giebelbaerchen ist gerade in Japan. Ein Grund mehr zu bloggen. Ich hoffe, in den naechsten drei Wochen einige interessante und skurille Dinge aus dem Land der Samurai und der Karaokeboxen berichten zu koennen. Vorerst bin ich erst seit zwei Tagen hier und staune immer noch mit grossen Augen um mich herum. Wir sind in einem Ryokan, einem japanischen Gaestehaus untergekommen. Es liegt in einer der unzaehligen Seitengassen Kyotos und ist tatsaechlich so klein, wie es von aussen aussieht. Aber die Japaner verstehen sich darauf, Platz auszunutzen. A erklaerte mir ausserdem: in Ryokans geht es auch um das Miteinander der Reisenden.

Wohl um dieses Miteinander zu foerdern hat man in unserem Gaestehaus auf Schalldaempfung keinen Wert gelegt. Die Waende sind eigentlich nur ein Zeichen des guten Willens, eine symbolische Reverenz an die im Westen so geschaetzte Privatsphaere. Man hoert dennoch jedes Wort, das im Nebenraum gesprochen wird, jedes Rascheln einer Tuete und das lautstarke Abreisen chinesischer Reisegruppen um sechs Uhr morgens. 

Wenn man dann einmal schlaeft, liegt es sich auf den Futons eigentlich ganz gut, wenn sich auch der matratzenverwoehnte Europaeer an ein etwas haerteres Liegen gewoehnen muss. Die Futons werden abends auf dem mit Reisstrohmatten, den Tatamis, ausgelegten Fussboden ausgerollt, dazu eine Decke und ein Kopfkissen, fertig. Morgens rollt man, statt das Bett zu machen, einfach alles wieder zusammen. Auf diese Weise kann ein Zimmer auch sehr viel kleiner sein, als in Europa, ohne als beengend empfunden zu werden, das platzfressende Bett verschwindet tagsueber.

Ausserdem lebt man in Japan auf dem Fussboden. Das hat nicht nur zur Folge, dass jeder Raum groesser erscheint, sondern man benoetigt auch keine Stuehle. Japanische Raeume kommen mit erschreckend wenig Moebeln aus. Bei uns im Zimmer stehen eigentlich nur ein kleiner flacher Tisch und ein Fernseher, mehr ist nicht noetig.

Neben den Schlafgelegenheiten hat unser Ryokan auch noch einige weitere der kleinen japanischen Besonderheiten vorzuweisen, ueber die ich mich immer wieder freue. Zum Beispiel das Badezimmer: eigentlich besteht es aus zwei Raeumen. Der erste beinhaltet zunaechst ein Waschbecken, an welchem man tun kann, was normale Menschen an Waschbecken tun. Des Weiteren eine Stange ueber dem Waschbecken, an der man sein Handtuch aufhaengen kann und einen Korb, in welchem man angehalten ist, seine Klamotten zu lassen, sollte man vorhaben zu duschen. Die Dusche befindet sich im naechsten Raum. Japaner duschen fuer gewoehnlich im Sitzen. Dafuer gibt es eine praktische Plastikschuessel, die umgedreht als Sitzgelegenheit fungiert und einen Spiegel in entsprechender Hoehe, der es dem Sitzenden erlaubt, sich beim Reinigungsvollzug eingehend zu betrachten. direkt vor der Dusche liegt eine kleine, tiefe Wanne, die zum gelegentlichen Bad genutzt wird, was Sinn macht, denn Japaner duschen sehr gruendlich, bevor sie in die Wanne steigen. Ebenfalls bemerkenswert: die Pantoffeln, die in jeder Toilette stehen und die man unbedingt fuer den Toilettenbesuch, aber keinesfalls ausserhalb der Toilette anziehen darf. Man mag sich die zahlreichen kulturellen Missverstaendnisse, zu denen sie bereits gefuehrt haben muessen, gar nicht vorstellen.

Aber das Ryokan ist der ideale Ort, um sich schon einmal auf Japan und den Moloch Kyoto einzustimmen, bevor man morgens das Haus verlaesst. Denn hat man diese kleinen Basics erst einmal verstanden, beginnt man den Tag mit dem zuversichtlichen Gefuehl, dass die japanische Kultur zu verstehen, so schwer nicht sein kann. Davon, wie schnell dieser vollkommen unbegruendete Optimismus pragmatischer Resignation weicht, vielleicht ein andermal.

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