à la recherche d’un objet perdu

By giebelbaerchen

Die letzte Woche habe ich damit zugebracht, meine Uhr zu suchen. Im Uhrensuchen habe ich Übung, leider kann ich nicht behaupten besonders gut darin zu sein, meine ersten beiden Uhren habe ich nie wieder gesehen. Nachdem ich die Vorgängerin meiner jetzigen Uhr verloren hatte, habe ich etwa zwei Jahre ohne Uhr gelebt und dabei nie das Gefühl gehabt, dass mir etwas fehlte. Ich hatte erstens ein Handy und lernte zweitens den Luxus, nur annährend wissen zu müssen wieviel Uhr es ist, kennen. Doch nun hatte ich wieder eine Uhr. Seit Weihnachten um genau zu sein und dieses Mal wollte ich alles daran legen, sie nicht wieder zu verlieren.

Dabei hätte ich es besser wissen müssen. In meiner Familie gibt es einfach zu viele Geschichten über verlorene Schmuckstücke und Wertgegenstände. Mein Bruder beispielsweise hat in seinem Leben bestimmt drei schweizer Offiziersmesser beim Räuberhöhlenbau im Park verloren. Besonders übel nahm ich ihm, dass jedes Mal, nachdem er eines verloren hatte, er bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit ein besseres geschenkt bekam, so dass das letzte, an das ich mich erinnern kann nicht nur ein Messer, eine Säge, eine Schere und so weiter hatte, sondern ausserdem einen Zahnstocher aus Plastik und eine Pinzette, die man oben aus dem roten Rahmen des Messers ziehen konnte.

Oder meine Schwester, die von ihrer Tante eine goldene Brosche in Form eines Reiters geschenkt bekam. Eines Tages war die Brosche nicht mehr aufzufinden und alles Suchen dieser Welt brachte sie nicht wieder zum Vorschein. Meine Großmutter hatte auch so ein Talent. So warf sie beispielsweise einmal eine ganze Garnitur alter silberner Löffel aus dem Familienschatz mitsamt den leeren Yoghurtbechern in denen sie standen in den Müll.

Mit meiner Uhr war ich hingegen sehr sorgfältig gewesen. Es gab nur zwei Orte, an denen ich sie ablegte: neben dem Waschbecken und auf dem Schreibtisch. Ich hielt mich für sehr gewissenhaft in dieser Frage, aber plötzlich war sie nicht mehr da. Ich begann mein Zimmer zu durchsuchen. Unter dem Bett zog ich die Schublade heraus, ich hob die Matratze hoch, räumte mein Regal aus und fand schließlich als Trostpreis eine Sicherheitsnadel. Schließlich ging ich dazu über zu fragen, ob jemand meine Uhr gesehen habe. Die Putzfrau dachte, ich habe sie im Verdacht, die Uhr gestohlen zu haben und der Fensterputzer schaute hilflos. Gesehen hatte sie keiner. Nachdem ich noch einmal mein Zimmer durchsucht hatte, bereitete ich mich schließlich darauf vor, den Verlust von Uhr Nr. 3 öffentlich machen zu müssen.

Ich hätte es besser wissen müssen. Gestern habe ich sie gefunden. Sie war von meinem Schreibtisch in einen Schuh gefallen. Der Schuh war danach unter den Tisch geschoben und eine Woche lang nicht getragen worden. Er war ausserdem auf die Seite gekippt, so dass man nur bei einem bestimmten Lichteinfall, auf dem Bett sitzend, die Schließe des Armbands glänzen sah.

„Gut Ding will Weile haben“ dachte ich und zog die Uhr aus ihrem Versteck. Selbst im Verlieren scheint meine Familie nicht besonders gründlich zu sein. Die Brosche meiner Schwester fand ich eines Tages beim gedankenverlorenen Bohren in den Tiefen einer Sofaritze. Sie hatte dort mehrere Jahre gelegen. Bis ich die beiden anderen Uhren wiederfinde, werden sie stehen geblieben sein.

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