Der Sommer ist da!

By giebelbaerchen

Seit dem Wochenende werde ich das Gefühl nicht los, dass es Zeit ist, an den Sommer zu denken. Unter meinem Fenster übten sich Vier im Kickboxen. Einer boxte, einer hielt seine gepolsterten Unterarme hin, einer schlich um sie herum und der vierte stand neben den Rucksäcken und hatte seine wattierte Jacke mit Kunstpelzbesatz an der Kapuze nicht zugemacht. Irgendwann tauschten sie auch mal die Rollen. Boxen, hinhalten, schleichen, rumstehen. Die Sonne malte ihre Schatten so scharf, als wäre es August.

Dieses Sonnenlicht, wenn es durch das Fenster auf meinen Schreibtisch fällt, wenn es Schatten schwärzt und Hauswände in grelles Licht taucht, dieses Licht ist Sommerlicht. Es erinnert mich an belaubte Bäume im satten Grün, an Wiesen auf denen gegrillt wird, an Frauen mit lackierten Fußnägeln, an Mädchen in Bikinitops und Jungs, die Bier über Steaks kippen. Es erinnert mich an die Wärme der Erde, wenn die Sonne fort ist, an nackte Füße auf Freibadrändern, an die Angst vor Wespenstichen und an Wespenstiche. Dieses Sommerlicht bringt mit sich den Geruch von viel zu altem Sonnenöl, von Regen, der auf warmen Asphalt fällt, von Heuernten und von kleinen, tiefroten Erdbeeren, die man nur selber pflücken kann und noch sonnenwarm isst.

Weil es noch immer Februar ist und sich selbst hier das Wetter an gewisse Mindeststandards hält (immerhin zahlt man hier seine Steuern oder auch nicht), war es zu all dem Sonnenschein leider ordentlich kalt. Doch das musste mich in meinem warmen Zimmer ja nicht stören. So gab ich mich lustvoll der optischen Täuschung hin und wähnte mich im Juli. Im Geist malte ich das Gras ein bisschen grüner, schenkte den Bäumen Blätter und legte eine graue Glocke aus schwülem Sommersmog über die Stadt. Dann dachte ich an Eiscrem, Straßencafés und Flipflops an gebräunten Füßen. Die Jogger schwitzten ein bisschen mehr und die Hundebesitzer trugen T-Shirts.

Diese Gedanken machten mich glücklich. So glücklich wie man an einem freien Tag im Sommer eben ist, wenn es warm ist und im Schwimmbad Handtuch an Handtuch liegt. Deshalb denke ich jetzt jeden Tag an den Sommer, auch wenn die Sonne nicht scheint. Denn was gibt es Schöneres, als sich von einer solchen Erinnerung durch eine graue Februarwoche begleiten zu lassen?


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