Die Novaya Gazeta macht sich mal wieder die Mühe darauf hinzuweisen, dass die Zahlen, die russische Behörden zu ihren Autoeinkäufen vorlegen, Grund zum Nachdenken geben. Konkret geht es um ziemlich teure Limousinen der Marken Mercedes, Ford, Audi, BMW und Volkswagen, die die Sicherheitsorgane in der russischen Föderation in den letzten zwei bis drei Jahren erworben haben.
Wie der Artikel von Roman Anin zeigt, haben die drei Autohändler „New York Motors Moskva“, „Panavto“ und „Avilon“ fast 90 Prozent aller Autodeals mit den sechs wichtigsten russischen Sicherheitsbehörden abgeschlossen. Bei all diesen Firmen hat Alexander Varshavsky Anteile, oder besitzt sie ganz. Seine „New York Motors Corp“ ist in New York registriert, der Moskauer Ableger wird vom „Forbes“ Magazin als eine der undurchsichtigsten Firmen Russlands bezeichnet. Auch der kremlnahe Oligarch Oleg Deripaska soll mit seiner „voenno – promyshlennaya kompanya“ von den Auto – Deals profitiert haben.
Der Artikel der Novaya Gazeta legt nun nahe, dass bei den Millionengeschäften (so soll beispielsweise der Nachrichtendienst FSO für einen Mercedes S600L mit Spezialausstattung 27 Millionen Rubel gezahlt haben), erhebliche Bestechungssummen geflossen sind. Der Artikel macht auf ein Verfahren in den USA aufmerksam, bei dem der Autokonzern Daimler zugegeben hat, zwischen 2004 und 2008 mindestens 56 Millionen Dollar Schmiergeld an Beamte in der ganzen Welt gezahlt zu haben, um an Staatsaufträge zu kommen. Ein nicht geringer Teil soll dabei auch nach Russland geflossen sein. Gegen eine Strafzahlung von 185 Millionen Dollar soll die amerikanische Regierung das Verfahren eingestellt haben, wohl auch, weil unter den Bestochenen keine Amerikaner waren.
Nun wundert sich die Zeitung (wohl nicht zu Unrecht), dass die russischen Behörden es bisher nicht für nötig erachteten, sich bei den Amerikanern um die Beweisunterlagen zu bemühen, in denen wahrscheinlich auch die Namen russischer Beamter stehen. Und wohl um die Justizbehörden etwas zu motivieren, erscheint eben jetzt der lange Artikel von Roman Anin. Ob der allerdings den gewünschten Erfolg haben wird, darf man wohl zu Recht bezweifeln. Immerhin haben sich bisher alle beteiligten Firmen und staatlichen Organe (bis auf den MVD, der angab, die Vorgänge zu untersuchen und deshalb keine Auskünfte erteilen zu können), geweigert, auf Anfragen der Novaya Gazeta auch nur zu antworten.